1. Schönit Britz

SchönitBritz

Britz ist kein Witz. Es gehört zu Berlin wie Siemensstadt und Niederschönhausen.
Der auf dem Foto angedeutete Gegensatz zwischen „Ach, kiek ma, wie pittoresk, mitten in Berlin!“ und dem städtischen Drumherum lässt sich eher aus dem ehemals ebenfalls Britz zuzuordnendem Gropiusstadt ziehen. Letzteres ist wie viele andere Neubausiedlungen an den Stadtrand gedrängt, eben auf die vielbeschworene grüne Wiese. Nicht so Britz. Es ist wie die meisten Stadtteile außerhalb des historischen Zentrums erst durch die Eingemeindung 1920 zu Groß-Berlin gekommen.
Also – immer daran denken: Berlin ist im Grunde eine Ansammlung von Dörfern. Das dörfische, ja bäurische bricht immer wieder durch. Nicht zuletzt im Gebrauch von U- und S-Bahnen. Erwarten Sie nicht, dass auf Rolltreppen rechts stehen, links gehen befolgt wird. Erwarten Sie auch bloss nicht, dass beim Halt erst die Leute aussteigen und dann einsteigen.
Zurück zu Britz. Das Foto offenbart noch mehr. Im Hintergrund zu sehen ist die Sendeanlage des Deutschlandradio. Die Anlage besteht seit nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, wurde durch RIAS genutzt und hatte dann einige Techtelmechtel mit DDR-Störwellen.

Nicht zuletzt ist zu sagen, dass Britz Teil Neuköllns ist.
Wer Neukölln sagt, denkt wohl eher an:

star@kodamm

Kottbusser Damm
nein
Kodamm,
wie Eingefleischte (Rinder-, Lamm-, Hühner-) sagen.
Hier vielleicht ein Verweis auf die Geschichte des Döners. Aber der Kodamm ist nicht weniger als die Einkaufsmeile!
Und um korrekt (korrekte 180?) zu bleiben, muss auch angemerkt werden, dass der Kodamm von Nord nach Süd links Kreuzberg, aber 61 und rechts Neukölln ist. Irritationen gibt es da weniger als beim Kudamm, bei dem immer etwas unklar ist, ob man ihn hoch oder runter fährt. Fahre ich also den Kodamm runter, dann bestimmt ausgehend von der Kottbusser Brücke runter zum Hermannplatz. Bin ich dort, dann ergibt sich folgendes Bild.
Interessant sind die gewerblichen Einrichtungen. Die am Hermannplatz startende Sonnenallee beispielsweise hat ein Mehr an arabischen Geschäften. Arabisch meint nicht saudi-arabisch, sondern, arabisch sprechend. Der Gegensatz besteht zwischen Türkisch und Arabisch. Unbedingt erwähnenswert ist die sog. singende, klingende Sonnenallee, ein Strassenfest, das jährlich ein typisch Neuköllner Publikum anzieht. Also nicht verpassen.
Die Karl-Marx-Strasse, die ebenfalls vom Hermannplatz losgeht, die Verlängerung der Hasenheide, ist eher wieder türkisch geprägt, ach, aber tatsächlich ist Neukölln hier schon ziemlich großstädtisch. Oder ist es Berlin? Ist Berlin auch in sagen wir Blankenburg großstädtisch? Eigentlich nicht, da ist es doch definitiv dörfisch. Gehört dennoch zu Berlin.
Dann eben Großer Stern. Wat is dat? Kennen viele, ist aber vielleicht doch bekannter unter dem Ort, an dem die Siegessäule steht. Siegessäule als Symbol. Vielfach. Siehe auch Walter Benjamin:
„Man hatte mir erklärt, woher der Schmuck der Siegessäule stammte. Ich hatte aber nicht genau verstanden, was es mit den Kanonenrohren, die ihn bilden, auf sich hatte: ob die Franzosen mit goldenen in den Krieg gezogen waren, oder ob das Gold, welches wir ihnen abgenommen hatten, erst von uns zu Kanonen war gegossen worden.“ (Benjamins Sprache… meine ist auch anders und dieses „Wir“ und „Ihnen“ ist eher aus dem kindlichen Kontext zu verstehen, wie auch immer, habe ich das mit den Kanonen gleichwohl nie verstanden) Also nicht nur Symbol für Kriegsgewinnler, für phallische Homosexualität und/oder Loveparade, sondern als zentrale Gemarkung, von der sternförmig Strassen abgehen, u.a. die Altonaer, die ich natürlich besonders mag, weil ich da geboren bin, und weil sie zum Hansaviertel entlang des interessantesten Teils des Tiergartens führt. Tatsächlich kann man auch auf die Säule rauf, ob man dat nu soll oder nicht. Weiß nicht. Ist jedenfalls nicht so teuer wie auf dem Fernsehturm. Auch nicht so hoch.
Dann also Hansaviertel. Die Geschichte mit der Nachkriegsbebauung entnehmen Sie bitte den sog. einschlägigen Publikationen, hier geht es um, ja um was eigentlich? Um den ästhetischen Tipp. Die Akademie der Künste am Hanseatenweg ist so ein Faszinosum- wunderbärchen. Die Zufahrt erfolgt über eine Einbahnstrassen-Runde und der Bau ist prächtig. Schlicht, aber adjektiv.
Oscar Niemeyer Häuser stehen auch nicht alle Naslang rum. Also ruhig mal lustwandeln in dem Teil des Tiergartens. Ob diese englische Teestube was taugt, weiß nicht. Das reetgedeckte Dach schreckt mich etwas ab. Ist doch nicht Amrum hier.
Wir suchen die maritime Ecke Berlins. Westhafen vielleicht. Das ganze geht schon etwas in Richtung Speicherstadt, alte Backsteinhäuser, auch Kühltürme. Dazu prima abgelegen, aber dennoch zentral. Halber Weg zwischen großem Stern und Flughafen Tegel. Dazu der neudeutsch Disclaimer: Tegel wird bleiben. Dass Tempelhof schloss ist angesichts der Auslastung verständlich. Tegel hingegen ist ein kleiner, effizienter Airport, we need him. Und überhaupt. Zurück zum Verkehrsmittel Schiff. Wannsee.? Müggelsee? Maritime Ecke? Spandau vielleicht

Zum ollen Seemann

und wenn man über die Stößchen-Brücke fährt, ist der Zugang zum Boot nicht weit. Boot. Schiff. Hanse. Berlin als Mitglied der Hanse im 14. und 15. Jahrhundert. Darum auch Hansa-Viertel. Also auch. Auch andere Motive sind möglich. Ein Blatt, das einsam seines Baumes entwurzelt. Hildegard Knef und die ziemlich genau 12 Jahre ältere Marlene Dietrich, die in der damals noch vorkriegsunzerstörten Gedächtniskirche heiratete. Dass alle Taxifahrer Harald Juhnkes Adresse kannten, weil er eben nicht immer. Alkohol als Berliner Vorzeigegetränk. Der gesunde Bodenseeler am Ostbahnhof ankommend mit der tristen Alkohol-Realität Berlins konfrontiert. Ost sowieso. Russkie Berlin. Und eigentlich wäre Berlin gerne so alt wie Rom. Oder wie Athen. Darum Spree-Athen, darum dieser ganze bescheuerte Historismus beim sog. neuen Bauen. Darum auch die vielen, vielen, Alt-Schmöckwitz, Alt-Moabit, Alt-Pichelsdorf, Alt-Marzahn, jaja. Aber nüschte mit Klein-xyz. Dat jüps nich. Kleen hamwa nich. Hia is allit jroß. Na jut, wia ham och n kleenen Stern und n kleenit Fensta, jawoll.
Dass mit der Groß-Macke muss also um 1920 Mode gewesen sein. The golden, roaring Twenties.
„Berlin ist eine Stadt, verdammt dazu, ewig zu werden, niemals zu sein“
Mythos Berlin. Ja der Mythos ist auch hier nur eine Aussage. Ich würde behaupten Berlin ist nicht, sondern isst. Analog dazu der Mythos der Currywurst. Oder die unzähligen Strassenfeste, wo das Essen gruppal und nicht fruktal gemacht wird, nicht zelebriert wird. denn Essen müssen wa alle. Ob der Lidl- (bitte kurzes I!) oder die Bioladen-KonsumentIn. Oder eben der Strassenstand, die Bude. Das langsame Anziehen der Preise, nicht nur im durch und durch gentrifizierten Prenzlauer Berg. Ein Ingwer-Tee. Eine Miso-Suppe. Eine panasiatische Schweinerei für die irgendwie doch noch immer vorhandene Spekulationsblase blasierter Bafög äh Grafik-Designer oder MTV-Tunten. Und diskreditiere nicht deinen Arbeitgeber, denn er ist dein Herr. Oder war das der Staat. Der Staat verdinglicht an der Niederkirchner Str., wo wie selbstverständlich erst Nazis dann DDR und schließlich die kriegsgewinnlerische BRD sich Unterschlupf sucht. Der Mauer-, nein der ehemalige Todesstreifen und ist es nicht toll, dass wir jetzt wie selbsverständlich darüber gehen und es gibt ein Andenken. Nicht nur dieses eine.

Memories of Heidelberg sind memories of you

und von dieser schönen Zeit
da träum’ ich immerzu.
Memories of Heidelberg sind
memories vom Glück

doch die Zeit von Heidelberg
die kommt nie mehr zurück!

Beim Feuerwerk im alten Schloss

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da sah ich dich Sekunden bloss.
Doch ein Roman
so schön begann

den ich nie mehr vergessn kann!

Memorie of Heidelberg sind …

Das Feuerwerk war lang vorbei
im alten Schloss nur noch wir zwei.
Das grosse Tor war schon gesperrt
und unser Glück war ungestört.

Memories of Heidelberg…

Warum nur? Warum ist diese Rückwärtsgewandheit so unvermeidlich. Warum werden immer die falschen Sachen abgerissen und schlimmer noch durch grottenhäßliche auf historisch getrimmte Scheisse ersetzt. Also hin zum Schloßplatz zum Platz der vielleicht auch Marx-Engels-Forum hieß oder war das doch hinter der Spree zum Fernsehturm? Kriegt man von Berlin Pickel zwischen den Kopfhaaren?
Warum ist Diederich Diederichsen eigentlich so unerträglich?
und wir waren irgendwie in Berlin (auch ohne Diederichsen) KUNTST! Allen Ortens. Ein Ort: eine Halle, eine sog. temporäre Kunsthalle. Ein Kuntstler hat sie blau anmalen lassen müssen, dann darauf eine Wolke auch noch in gepixelter Form.
„Herr Künstler, “ Nein „Bist Du eigentlich auch Küntstler?“ Kunst-Tier? „Also Herr Künstler, bekommen Sie eigentlich auch die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren?“
Ein Zitat, eine Anlehnung, ein Verweis, denn hier hätte auch eine Wolke stehen können, die war aber zu teuer. Dafür s die Kuntst drinne aber teuer. Es wird Videokunst gezeigt. Framegesteuerte-Einzelbild-Digital- Gar-nicht-Video-Kuntst.
Das ist im Grunde ja viel zu modern für die historische Bammelecke Unter den Linden/Schloßplatz. Oh! Ach! Uijuijui!
„Wir dachten, dass sei hier so eine Art Infobox zum Wiederaufbau des Schlosses!“ (?) hä? „Ja wie am Potsdamer Platz!“ Achso!
Genau – das Schloss soll wieder aufgebaut werden! Alle ([West?-]Senioren) freuen sich! Endlich! Die Welt wird eine gleiche sein! Neu, sieht aber aus wie alt. Das ist so eine Art Generationenvertrag: Konserviert die Alten! (Bevor sie erkalten) Recht so! Denn die Senioren haben ja die breite Masse, gewissermaßen die gesellschaftliche Mitte inne. Trage auch Du ocker und aubergin, denn das ist nicht nur akzeptabel, sondern auch soziologisch (in-) vulnerabel. Braucht hier jemand ne Gabel? Kainer oder Abel?
BEST SABEL vs Fachkräftemangel. Ist ja schon erstaunlich, was sich mittlerweile, in diesen Zeiten für Firmen hochjazzen. Das sind nicht nur die oft zitierten 1 Euro-Shops. Aber es gibt da mehr als die fragwürdigen, ausbeutenden hochgradig Unseriösen.
Herzbergstrasse, erreichbar über Landsberger Allee.
< mehr Infos >
Berlin ist disparat. Die Peripherie ist aber natürlich schon inmitten des Zentrums. Bitte beachten Sie die Brüderstrasse, da muessen Sie mal hingehen. Jetzt ehe mein Verlag Suhrkamp da hin zieht ist das wirklich faszinierend.

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